Warum Nachhaltigkeit mich seit dem Studium nicht mehr loslässt
Viele können es kaum noch hören, andere wollen es am liebsten für ihr SEO in jedem zweiten Satz verankern: das Wort Nachhaltigkeit. Greenwashing, Weltrettungssyndrom oder doch das ehrliche Bestreben, etwas Gutes für die Nachkommenden zu tun? Wer weiß das schon genau. Ich wollte es in der Abschlussphase meines Studiums dann doch schon etwas genauer wissen und habe mich kurzerhand in der Masterarbeit mit dem Nachhaltigkeitsausdruck in der Sprachwissenschaft und Translatologie beschäftigt. Dass ich eher an kreativeren Texten arbeite, als mich akademisch-korrekt und gemäß aller Bibliografieregeln auszudrücken, habe ich in dieser Phase nicht nur in einem Moment feststellen dürfen. Und dennoch: Das Thema hat Relevanz. Denn aus Wörtern werden Hülsen, wenn wir sie unreflektiert gebrauchen. Wenn Modebegriffe zum Lifestyle werden, wir jedoch nicht ihre Ursprünge, Entwicklungen und Streitbarkeiten durchleuchten, machen wir uns mitschuldig für die Profanisierung eigentlich bedeutender Begriffe und Konzepte.
Während meiner Recherche konnte ich beispielsweise in Erfahrung bringen, dass dieses Wischi-Waschi beim Nachhaltigkeitsausdruck durchaus an der ein oder anderen Stelle beabsichtigt ist, denn wo kein klar abgrenzbarer Begriff, da auch keine eindeutig justiziablen Konsequenzen. Frei nach der Devise "nachhaltig ist es auch, wenn man nur noch einmal pro Woche den Privatjet als wie früher jeden Tag benutzt", sollte bei der Wortwahl doch genauer nachhaken und sich fragen: Welcher Nachhaltigkeitsansatz ist gemeint? ökologisch, wirtschaftlich, sozial?
Ich verbuche es als absoluten Erfolg, dass zumindest der Ausdruck im öffentlichen Diskurs seit einer Weile schon Einkehr gehalten hat. Es ist bedauerlich, dass sich gegenwärtig wieder häufiger Stimmen erheben, die wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel aufbrechen wollen und oftmals auch in der Politik Resonanz dafür erhalten. Es ist bedauerlich, dass die gegenwärtige Koalition das Wort kaum noch in den Mund nimmt. Und dass die Wirtschaft nun auch wieder ins Wanken kommt und sich fragt, ob das mit der Nachhaltigkeit wirklich ganz für voll zu nehmen ist. Und dennoch sage ich: Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen!